Thunfisch im Fischportrait: Roter Thun und Weißer Thun

Thunfisch ist wohl einer der bekanntesten Fische überhaupt. Ob von lahmen Witzen („Was sollen wir t(h)un, Fisch?“ – „Du hast die Wa(h)l, Fisch“), über die Lieblingspizza bis zum Lieblings-Sushi, Thunfisch scheint allgegenwärtig. Und obwohl Thunfisch hauptsächlich kommerziell gefischt wird, kann man als ehrgeiziger Angler auch mal seinen Köder nach diesem Fisch auswerfen. Dazu jedoch später mehr. Zunächst einmal eine wichtige Information vorweg: unter Thunfisch versteht man gemeinhin sieben verschiedene Arten. Diese sind der rote Thun, der weiße Thun, der Blauflossen-Thunfisch, der Gelbflossen-Thunfisch, der Schwarzflossen-Thunfisch, der Langflossen-Thunfisch und der Großaugen-Thunfisch. In unserem Artikel soll es hauptsächlich um den weißen und den roten Thun gehen.

Der Steckbrief zum weißen Thunfisch

Synonyme: Weißer Thun, Langflossenthun
Englischer Name: Albacore
Wissenschaftlicher Name: Thunnus alalunga
Ordnung: Scombriformes
Familie: Scombridae (Makrelen und Thunfische)
Gattung: Thunfische
Größe: bis zu 140 cm
Alter: maximal bis 8 Jahre
Körperbau: langgestreckt, spindelförmig
Schuppen: zahlreich und klein
Farbgebung: Rücken und oberer Teil der Flanken blauschwarz, ansonsten weiß / perlmutt
Flossenformel: D XI-XIV/12-16, A 0/11-16
Maul: endständig, tief gespalten
Zähne: klein, konisch, einreihig
Nahrung: kleine Schwarmfische (auch Makrelen), Krebstiere, Tintenfische
Laichzeit: ganzjährig

Lebensraum

In allen Ozeanen der gemäßigten und tropischen Breiten kann man den weißen Thunfisch antreffen. Dazu gehört auch das Mittelmeer. Er hält sich bevorzugt in Tiefen von mindestens 600 Metern im Atlantik und 380 Metern im Pazifik auf. Die Temperaturen, in denen sich der weiße Thun aufhält, liegen zwischen 15,6 °C und 19,4 °C. Dabei halten sich die größeren Exemplare eher an die kälteren Regionen, während sich die kleineren Exemplare mit bis zu 80 cm im wärmeren Wasser tummeln.

Merkmale des weißen Thunfisch

Im Gegensatz zu dem Thun-Riesen in Rot ist der weiße Thun wesentlich kleiner. Er erreicht Größen bis zu 140 cm und ein Gewicht von ungefähr 60 Kilogramm. Die Größen der Fische unterscheiden sich auch noch einmal nach Lebensraum. Im Pazifik haben die Fische nahe der Oberfläche meist eine Größe von 55 bis 80 cm, die in tieferen Gegenden bis 115 cm. Im Atlantik begegnet man Tieren bis 110 cm und im indischen Ozean bewegen sich die Tiere zwischen 40 und 100 cm.

Am Rücken ist der weiße Thun blauschwarz, während die Seiten und der Bauch weiß bis perlmuttfarben schimmern. Außerdem zieht sich ein breites, irisierendes Band entlang der Seiten. Die Flossen haben verschiedene Farben. So ist die Afterflosse hellgelb, der hintere Rand der Schwanzflosse ist hell gerandet und die Finlets sind beinahe schwarz. Die erste Rückenflosse ist gelb, die zweite, wie auch die Afterflosse wesentlich heller gelb.

Während die meisten Thunfischarten etwa auf Höhe der ersten Rückenflosse ihre größte Höhe erreichen, liegt dieser höchste Punkt beim weißen Thunfisch etwas weiter hinten. Hinter der konkaven ersten Rückenflosse und der normalen zweiten Rückenflosse befinden sich die Finlets. Diese Reihe von kleinen Flossen ist typisch für Thunfische. Die Brustflossen des weißen Thunfisches entsprechen ungefähr einem Drittel der Körperlänge des Fisches und wirken damit sehr groß. Die Afterflosse hingegen bleibt unproportional klein, bis der Fisch eine Größe von etwa 50 cm erreicht hat.

Lebensweise und Fortpflanzung

Wie alle Thunfische ernährt sich auch der weiße Thun von kleineren Fischen, Tintenfischen und Krebstieren. Natürliche Feinde sind hauptsächlich Zahnwale und Haie, denn nur die können es erfolgreich mit der Größe eines weißen Thunfisches aufnehmen.

Die Wanderungen der weißen Thunfische orientiert sich hauptsächlich an der Wasserschicht. Weiße Thunfische bewegen sich in Wandergruppen, die aus Artgenossen und teilweise anderen Thunfischarten bestehen. Auf ihren Wanderungen legen die Gruppen sehr große Entfernungen zurück. Warum und wie genau die Gruppen wandern konnte man bisher nicht klar erkennen.

Was die Geschlechtsreife angeht, gibt es wieder Unterschiede zwischen den verschiedenen Lebensräumen: Während Männchen und Weibchen im Atlantik ab etwa 94 cm geschlechtsreif werden, werden Weibchen im Pazifik ab 90 cm und Männchen ab 97 cm geschlechtsreif. Thunfische können das ganze Jahr über laichen. Je größer die Weibchen werden, desto fruchtbarer sind sie, doch die Eierzahl verhält sich nicht linear zur Größe. Ein Weibchen von etwa 20 Kilo kann zwei bis drei Millionen Eier pro Saison produzieren, die sie in mehreren Schüben legt.

Angeln

Der weiße Thun hat große Bedeutung für den kommerziellen Fischfang und ist auf Grund dessen bei der IUCN als „potenziell gefährdet“ eingestuft. Man verkauft ihn frisch, geräuchert oder auch in Dosen konserviert.

Als Sportfischer kann man sich im Mittelmeer Hoffnungen auf einen weißen Thun am Haken machen. Vor den spanischen Inseln Ibiza und Mallorca kann man bis zu 20 Weiße am Tag landen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ihr euch auf einen erfahrenen Guide verlassen habt, der euch weit aufs Meer hinaus, zu den erfolgreichen Fanggründen gebracht hat.

Steckbrief zum roten Thunfisch

Synonyme: Großer Thun, Nordatlantischer Thun, Blauflossen-Thun
Englischer Name: Tuna
Wissenschaftlicher Name: Thunnus thynnus
Ordnung: Scombriformes
Familie: Scombridae (Makrelen und Thunfische)
Gattung: Thunfische
Größe: durchschnittlich 3 m, Rekord: 4,58 m
Alter: bis 15 Jahre
Körperbau: langgestreckt, spindelförmig
Schuppen: zahlreich und klein, am Vorderkörper größer
Farbgebung: oben dunkelblar, ansonsten weiß / perlmutt
Flossenformel: D XII-XIV/13-15, A 13-16
Maul: endständig, tief gespalten
Zähne: klein, konisch, einreihig
Nahrung: kleine Schwarmfische (auch Makrelen), Krebstiere, Tintenfische
Laichzeit: Juni bis August

Lebensraum des roten Thunfisch

Ihr könnt den roten Thun nördlich des Äquators im Atlantik, im Mittelmeer, in der Karibik, der Ostsee, vor der Küste Südafrikas und im Golf von Mexiko finden. Dabei bevorzugt er es, sich in Tiefen bis 100 Metern aufzuhalten. Der Thunfisch ist eigentlich ein Warmblüter mit einer Körpertemperatur von etwa 27 °C, kann sich jedoch für kurze Zeit auf seine Umgebung anpassen. Dabei erhöht oder senkt der Rote Thun seine Körpertemperatur um wenige Grad.

Merkmale

Mann nennt den roten Thunfisch nicht umsonst auch den großen Thun. Er erreicht durchschnittliche Größen von 3 Metern, wobei der größte gefangene Thunfisch bisher bei 4,58 m lag. Der Gewichtsrekord liegt bei 684 Kilogramm.

Die Benennung als roten Thun verdankt er nicht etwa seinem Aussehen, sondern der Farbe seines Fleisches. Das rötliche Fleisch behält seine rote Färbung auch nach dem Garen. Äußerlich ähnelt der rote Thun dem weißen Thun, abgesehen von der Größe natürlich. Sein Rücken ist dunkelblau und sein Bauch silbrig weiß. Er hat keine Streifen oder Flecken. Die Afterflosse und Finlets sind graugelb, mit schwarzen Umrandungen. Die erste Rückenflosse ist bläulich oder gelblich, die zweite ist rötlich braun gefärbt.

Bei dem roten Thunfisch ist es so, dass sein spindelförmiger Körper seinen höchsten Punkt ziemlich in der Mitte der ersten Rückenflosse erreicht. Die beiden Rückenflossen stehen eng aneinander, wobei die zweite Rückenflosse ein wenig höher ist. Die acht bis neun Finlets befinden sich hinter der zweiten Rückenflosse und der Afterflosse.

Lebensweise und Fortpflanzung

Wie auch der weiße Thun, ernährt sich der rote Thunfisch von kleineren Schwarmfischen, Kalmaren und Krebstieren. Auf der Jagd kann ein Thunfisch bei plötzlichen Angriffen eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h erreichen.

Der rote Thun wandert zum Laichen zwischen Juni und August in der Straße von Gibraltar und im westlichen Mittelmeer. Ein Weibchen kann bis zu zehn Millionen Eier abgeben. Nach dem Laichen ziehen die Elterntiere zu den Küsten Schottlands und Norwegens auf Nahrungssuche. Bei den Wanderungen kommen Gruppen verschiedener Arten zusammen. So fand man Gruppen bestehend aus Gelbflossen-Thun, weißem Thun, rotem Thun und Großaugenthun.

Die Eier treiben nah an der Wasseroberfläche und schlüpfen schon nach zwei bis drei Tagen. Mit einem Alter von vier oder fünf Jahren sind sie geschlechtsreif. Dabei sind sie etwa 1,2 bis 1,4 m groß und wiegen zwischen 30 und 40 Kilogramm.

Angeln

Da Roter Thun häufig zu Sushi verarbeitet wird, transportiert man etwa 85 % des im Mittelmeer gefangenen roten Thunfisches nach Japan. Da Thunfische eigentlich nicht in Gefangenschaft laichen, hat die Überfischung dazu geführt, dass die IUCN ihn auf die Rote Liste der aussterbenden Arten gesetzt hat.

Auf Mallorca fangen auch einzelne Angler den großen Thun, allerdings nutzt man hier das Catch-and-Release-Prinzip. Die Angler fangen die Riesenfische, versehen sie mit einem Sender und setzen sie zurück. So helfen sie der Wissenschaft und tragen wertvolle Daten zusammen, um das Aussterben dieser Art zu verhindern. Bevor ihr also einen Ausflug auf diesen Fisch startet, hört euch nach den aktuellen Beschränkungen für diese gefährdete Art um und überlegt, ob ihr euch auf einer „wissenschaftlichen“ Fahrt beteiligen könnt.

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