Die Grundel im Fisch-Steckbrief

Der kleine lästige Räuber mit ordentlichem Hunger. So oder so ähnlich würden die meisten unter uns die Grundel beschreiben. Denn wenn eine Grundel am Haken hängt, ist dies für uns Angler oft kein Grund zur Freude. Wir wollten wissen, was die Grundel so besonders macht, warum ihr so ein schlechter Ruf hinterher hängt und ob er überhaupt gerechtfertigt ist. Wie kann ein kleiner Fisch für so viel Interesse, aber auch Aufregung sorgen? Bei unserer Recherche sind wir auf interessante Fakten gestoßen, die wir dir in diesem Fisch-Steckbrief natürlich nicht vorenthalten wollen.

Grundel im Steckbrief

Synonyme: –
Englischer Name: Goby
Wissenschaftlicher Name: Neogobius
Ordnung: Gobiiformes, Grundelartige
Familie: Gobiidae
Gattung: Neogobius (Flussgrundel und Schwarzmundgrundel), Babka (Nackthalsgrundel), Ponticola (Kesslergrundel), Proterorhinus (Marmorierte Grundel)
Größe: bis zu 25 cm
Alter: unbekannt
Körperbau: langgestreckt und schmal
Schuppen: keine
Farbgebung: grau bis dunkelbraun mit Flecken (je nach Art hell oder dunkel)
Maul: verhältnismäßig groß und breit
Zähne: viele, kleine und scharfe Schlundzähne
Augen: groß und hervortretend
Nahrung: wirbellose Kleintiere, Würmer, Maden, Fischlaich
Laichzeit: März bis Mai

Die Familie der Grundeln umfasst mehr als 200 Gattungen und beinahe 2000 Arten. In diesem Fischportrait werden wir uns ausschließlich auf die Vertreter der sogenannten Schwarzmeergrundel beschränken. Dies sind die Schwarzmundgrundel, die Kesslergrundel, die marmorierte Grundel, die Nackthalsgrundel und die Flussgrundel.

Lebensraum der Schwarzmeergrundel

Wie ihr Name schon andeutet, kommt die Schwarzmeergrundel ursprünglich aus dem Schwarzen, Asowschen und Kaspischen Meer. Von hier verbreitete sie sich zuerst in den Mündungsbereichen und dann in den Unterläufen großer Flüsse wie der Donau oder dem Dnjepr. Mitte der 1980er Jahre schaffte sie es schließlich auch in die deutschen Gewässer. Und dass sich die Grundel bei uns wohl fühlt, sieht man an ihrer scheinbar unaufhaltsamen und rasanten Ausbreitung. Du kannst sie bereits in allen großen deutschen Gewässern finden. In 2016 wurde die Grundel sogar erstmalig in den Küstenregionen der Ostsee nachgewiesen.

Wie kam die Grundel zu uns?

Doch wie kann ein so kleiner Fisch und schlechter Schwimmer solche Distanzen zurücklegen? Ganz einfach: mit dem Taxi. Mit dem Ballastwasser großer Schiffe konnte sie in Rekordgeschwindigkeit als blinder Passagier bei uns eingeschleppt werden. Außerdem besitzt der Laich der Grundel eine klebrige Konsistenz, die auch über lange Strecken an Schiffen haften bleibt.

Wo lässt sich die Grundel finden?

Am liebsten hält sich die Grundel in Bodennähe an Ufern und Küsten auf. Hier bevorzugt sie vor allem gut strukturierte Böden mit Steinen, zwischen denen sie ihren Laich verstecken kann. Strömungsarme, flache Flussabschnitte und der Blockwurf unserer begradigten Flüsse bieten so also einen optimalen Lebensraum für die Schwarzmeergrundel.

Aussehen und Merkmale der Schwarzmeergrundel

Auch wenn sich die fünf Vertreter der Schwarzmeergrundel etwas in ihrer Farbgebung unterscheiden, haben sie gemeinsame Merkmale. Am auffälligsten sind die zwei getrennten Rückenflossen und die Bauchflossen, die trichterförmig zu einem Saugknopf verwachsen sind. Die Grundel hat keine Schwimmblase, was ihr durch den geringen Auftrieb das Leben am Gewässerboden ermöglicht. Entlang der Seitenlinie befinden sich bei allen Unterarten Flecken, die je nach Grundfarbgebung heller oder dunkler ausfallen.

Lebensweise

Grundeln sind äußerst anpassungsfähige Fische, sowohl was ihre Umgebung betrifft, als auch ihre Nahrung. So sind sie sehr tolerant gegenüber unterschiedlichen Salzgehalten und Wassertemperaturen.

Ernährung

Die Grundel ernährt sich von wirbellosen Tieren wie Schnecken, Insektenlarven und Flohkrebsen. Zum unserem Ärger stellen auch natürliche Köder wie Maden und Würmer einen sehr willkommenen Snack dar. Sie ist uns allerdings auch als Fischlaichräuber bekannt. Selbst wenn dies ein Grund zur Sorge sein könnte, unterscheidet sie das nicht von anderen kleineren Fischarten, die ein ähnliches Fressverhalten aufweisen.

Fortpflanzung

Schwarzmeergrundeln sind äußerst potent und ihre Fortpflanzung sehr effektiv. Sie laichen zwei Mal jährlich und sind bereits im ersten Jahr geschlechtsreif. Ihre Eier kleben sie meist an die Unterseite von Steinen oder Muscheln und werden dort aggressiv bis zum Schlupf der Jungtiere überwacht. Das Gelege kann dabei von mehreren Weibchen gleichzeitig genutzt werden und bis zu 10.000 Eier enthalten.

Schwarzmeergrundel: Freund oder Feind?

Halten wir also fest: die Schwarzmeergrundel ist ein fantastischer Überlebenskünstler und wir haben ihr den Weg zu uns frei geräumt. Bis heute wird angenommen, dass die Grundel bei noch größerer Ausbreitung andere heimische Fischarten verdrängen könnte. Schließlich hält sie sich am liebsten da auf, wo auch andere Fische laichen und Fischeier bieten eine einfache Nahrungsquelle. In einigen Studien wurde allerdings bereits nachgewiesen, dass es nicht der Hunger der Grundel ist, welcher uns Sorgen bereitet. Mit der Erderwärmung und der einhergehenden Temperaturerhöhung heimischer Gewässer wird sich auch die Fauna verändern, von der unsere indigenen Fischarten abhängen. Die Ausbreitung der Grundel als invasive Fischspezies ist also nur ein Indikator auf das, was kommen könnte. Wie diese Zukunft aussieht, ist unbekannt und das bereitet uns Sorgen.

Was können wir als Angler tun?

Gegenmaßnahmen zur weiteren Ausbreitung wurden bereits eingeführt. So dürfen sie nach dem Fang nicht mehr ins Wasser zurückgelassen und schon gar nicht in einem anderen Gewässer ausgesetzt werden. Auch sollten wir die Grundel nicht als Naturköder auf Zander oder Barsch verwenden. Was nun also tun mit den ganzen Grundeln an der Angel? Ganz einfach: essen! Denn die Grundel ist ein exzellenter Speisefisch. Sie hat keine Gräten und eignet sich bestens zum Braten.

3 Kommentare

  1. jolly

    Ich kann gerade nicht nachvollziehen, warum die Grundel nicht als Köder für Zander/Barsch genommen werden sollte. Was ist daran problematisch?
    Als toter Köderfisch ist sie doch nicht mehr an der Verbreitung ihrer Art beteiligt.

    Antworten
    • Angelwissen

      Die Antwort ist ganz einfach. Auch eine tote Grundel kann, bei der Verwendung als Köderfisch, noch Laich ins Gewässer einbringen. Da es sich hier um eine invasive Art handelt sollte das unbedingt unterbleiben. Beste Grüße von uns!

      Antworten
      • jolly

        Da hätte ich jetzt erwartet, dass der Laich im toten Fischkörper bzw. irgendwo im Wasser abstirbt, bevor er reif genug für die Befruchtung ist, die dann auch noch zufällig passieren müsste. Aber ich will mich da jetzt nicht an Details aufhängen, die ich selbst nicht ausreichend kenne. 😀
        Dass man sie essen sollte, kann ich vollständig unterstützen. Als barschverwandte Fische haben sie ein sehr leckeres Fleisch.

        Antworten

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