Das perfekte Angelwetter

Das richtige Angelwetter kann den Tag am See zu einem Riesen-Erfolg machen – oder zum absoluten Reinfall. Wir klären heute, ob es das „perfekte Angelwetter“ überhaupt gibt und wenn ja, welches das ist.

Angelwetter – gibt es das?

Wie das mit allen Wettervorhersagen und -phänomenen so ist, kann man nichts mit absoluter Sicherheit sagen. Es wird immer wieder Sternstunden beim Angeln geben, die sich einfach nicht erklären lassen. Aber wie sonst auch, gibt es einige Muster, die Rückschlüsse zulassen. Dementsprechend gibt es auf jeden Fall einige Wetterlagen, die zu mehr Bissen führen können. Diese Muster hängen allerdings nicht allein von Sonnenschein und Temperatur ab, sondern auch von Luftdruck, Wind, Tageszeit und Dauer der aktuellen Wetterlage.

Auch der Mond hat einen, nicht zu unterschätzenden Einfluss, gerade wenn es um den Fang kapitaler Fische geht. Aus diesem Grund wollen wir den Einfluss unseres Erdtrabanten noch einmal in einem gesonderten Beitrag beleuchten.

Die Temperaturen für Angelwetter

Verschiedene Temperaturen haben Einfluss auf die Beißwut der Fische.

Angeln bei Kälte

Besonders kalte Temperaturen sorgen dafür, dass die Friedfische sich vom flachen Gewässer in die tieferen Zonen zurückziehen. Die Raubfische schwimmen an den Übergängen von flach zu tief und warten nur darauf, dass ihnen die Futterfische vor die Mäuler schwimmen. Hier gilt es, die richtige Stelle abzupassen.

Bleibt die Temperatur längerfristig niedrig, fahren einige Fische ihren Stoffwechsel herunter. Fische sind wechselwarme Tiere, daher ist ihr Stoffwechsel stark an die Umgebungstemperatur gebunden.  Bei Kälte brauchen Fische weniger Futter und die Beißzeiten verringern sich entsprechend. Jetzt ist also Timing und die richtige Platzwahl entscheidend.

Angeln bei Hitze

Ist es über längere Zeit besonders warm, löst sich weniger Sauerstoff im Wasser. Die Fische halten sich jetzt meist nah an der Oberfläche auf und suchen, wenn möglich, nach schattigen Plätzen im Gewässer. Diese finden sie unter Seerosen, dort, wo Bäume über das Ufer hinweg ragen oder in dichtem Schilf.

Um jetzt den ein oder anderen Fisch an den Haken zu locken, braucht es den richtigen Köder und die richtige Tiefe. In Bodennähe ist man jetzt kaum erfolgreich. Stattdessen angelt man in bzw. oberhalb der sogenannten Sprungschicht.

Diese Sprungschicht entsteht durch den Dichtenunterschied zwischen kaltem und warmem Wasser. Das leichtere warme Wasser ist nah an der Oberfläche. Hier gibt es genügend Licht und ausreichende Temperaturen, als dass die Algen Fotosynthese betreiben können. Die Algen und ihr frisch produzierter Sauerstoff locken die Fische nah zur Oberfläche.

Wer jetzt die Sprungschicht findet und richtig angelt, darf auch an heißen Tagen mit einigen Bissen rechnen.

Wichtig ist zu erwähnen, dass sich eine Sprungschicht nur in Stillgewässern bildet. Die Strömung eines Fließgewässers mischt die Wasserschichten permanent durch.

Als Faustregel lässt sich sagen, dass man während anhaltender Hitzeperioden am besten während der Dämmerungsphasen fängt.

Der richtige Luftdruck gehört zum Angelwetter

Das zumindest hört man immer wieder. Viele Angler begründen das mit der Schwimmblase der Fische. Durch den veränderten Luftdruck müssen die Fische sich auf veränderte Strömung im Wasser und auf den eigenen Druckausgleich einstellen. Das lenkt ab vom Fressen und somit auch vom Beißen, so zumindest die Theorie einiger Angler. Tatsächlich gibt es zwar keine wissenschaftlichen Studien, die den Zusammenhang zwischen Schwimmblase und Luftdruck belegen, aber genügend Erfahrungswerte.

So kann man sagen, bei gleichbleibendem Luftdruck bleibt auch die Beißlaune der Fische gleich. Während eines plötzlichen, rasanten Anstieg oder Abfalls des Luftdrucks, ist ein erfolgreicher Angelausflug unwahrscheinlich. Hat sich der Luftdruck erst wieder eingependelt, kann es dafür sein, dass die Fische beißen wie verrückt.

Mit dem Luftdruck ist ein weiteres Wetterphänomen verknüpft: Das Gewitter.

Angeln bei Gewitter

Bevor wir in die Theorie abtauchen, eine sehr praktische und sehr lebenswichtige Warnung: Geht nicht bei Blitz und Donner aufs oder ans Wasser! Die modernen Angeln sind im Grunde nichts anders als tragbare Blitzableiter. Und wohin wird der Blitz abgeleitet? In eure Hand. Stromstärken bis zu 400.000 Ampere möchte man unbedingt weit weg von seinem eigenen Körper halten! Zum Vergleich: Man soll schon nicht in die Steckdose packen und da fließt der Strom nur mit 15 Ampere!

Jetzt zum Thema Luftdruck, Beißwut und dem theoretischen Angelwetter. Da bei Gewitter oft der Luftdruck völlig verrückt spielt, ist es währenddessen sowieso ein Lottospiel, ob man etwas fängt, oder nicht. Aber immer wieder kommen hartnäckige Gerüchte auf, dass die Fische direkt vor oder direkt nach einem Gewitter am besten beißen. Auch hierzu gibt es nicht unbedingt handfeste Beweise, aber Erklärungsansätze.

Gewitterverhältnisse peitschen das Gewässer auf, sodass viel Sauerstoff in das Wasser gelangt. Das lässt die Fische aktiv werden. Durch die Veränderung des Luftdrucks und den teils rasanten Temperaturschwankungen (die im Wasser sehr abgeschwächt ankommen) kommt Bewegung in die Fischwelt. Alle passen sich an die neuen Verhältnisse an, das Fressen rückt dabei eher in den Hintergrund – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Köder Erfolg hat.

Letztendlich ist ein Gewitter nichts anderes als ein Haufen wetterbedingter Veränderungen, die aber einen Fang eher unwahrscheinlicher machen, als wahrscheinlicher. Danach jedoch ist das Wasser sauerstoffreicher, ein bisschen trüb, vom Wind und Regen und bietet damit gute Bedingungen, Raubfische zu fangen, die jetzt mutig werden.

Das alles beruht aber auf Erfahrungen verschiedenster Angler und wird nicht wissenschaftlich unterstützt. Im Gegenteil: Die Wissenschaft bittet Angler, sich zeitlich rund um Gewitter von jeglichen Gewässern fernzuhalten. Der Fang ist das Spiel mit dem eigenen Leben nicht wert.

Das eigentliche Angelwetter: Wind, Regen und alles was dazugehört

Auch wenn Luftdruck und Temperatur eng mit den folgenden Faktoren zusammenhängen, wollen wir diese nicht vernachlässigen. So jucken vielen Anglern die Finger, wenn Regenwolken aufziehen, während andere eher die Nase in die Sonne und die Rute ins Wasser halten wollen.

Sonnenschein

Sonnenschein heißt klares Wasser und das heißt… tendenziell weniger Erfolg, als bei Wolken oder Regen, aber nicht unbedingt aussichtslos.

Je länger die Wetterlage schon stabil sonnig ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fische auch beißen. Denn bei stabiler Wetterlage haben sich die Fische an die Verhältnisse gewöhnt und gehen ihren täglichen Futtersuchen nach.

Wer nun jetzt noch ein schlaues Plätzchen wählt, dem winken auch Erfolge in der Sonne. Dort, wo Bäume über das Wasser ragen und Schatten spenden oder in der Nähe von Seerosenteppichen kann man jetzt richtig Glück haben.

Regen

Bei Regen wird das Wasser aufgewühlt, es nimmt viel Sauerstoff auf, Sedimente und Kleinsttierchen werden ins Wasser gespült. Die Insekten sind ein Festmahl für die Friedfische und die, naja, die werden zum Festmahl für die Raubfische, die am liebsten im trüben Wasser jagen.

Bei Regen ist also eine Menge los, was die Fischwelt angeht und richtig ausgerüstet kann man hier den ein oder anderen dicken Fisch an Land ziehen.

Bei Regen gilt allerdings auch ein bisschen mehr Vorsicht. Alles rund ums Ufer kann rutschig sein, oder unterspült. Festes, möglichst dichtes Schuhwerk ist also angesagt. Am besten wirft man auch einen dichten Mantel über, der das Wasser draußen hält.

Außerdem heißt es: Wetterbericht überprüfen und Ohren spitzen! Beim ersten Anzeichen von Gewitter sollte man Schutz suchen. Dafür reicht es nicht, sich unter einen Baum zu stellen, denn auch das Wasser leitet hervorragend. Stattdessen sollte man sich in sein Auto, das Anglerheim oder (im größten Notfall) untern eine Brücke ein gutes Stück vom Wasser entfernt retten.

Wind

Wind peitscht das Wasser auf, treibt Insekten und Pflanzenteile ins Wasser und wälzt das Wasser um. Angelwetter? Ja, wenn man ein paar Dinge beachtet.

Die gerade genannten Auswirkungen des Windes haben den Effekt, dass mehr Sauerstoff ins Wasser aufgenommen und Futter für Friedfische direkt vor ihre Mäuler getrieben wird. Dabei ist es ziemlich egal, ob dieser Wind von Osten, Westen, Süden oder Norden kommt. Positioniert man sich am Ufer, auf den der Wind zu fegt, so fischt man direkt im Buffet für Friedfische.

Gleichzeitig ist das angeln mit starkem Wind mit einigen Schwierigkeiten verbunden. So sollte man zum Beispiel seine Ausrüstung fixieren, damit nichts umherwirbeln kann. Außerdem sollte man sich weit genug von Bäumen oder anderen potenziellen Gefahrenzonen positionieren. Dann ist da natürlich noch das Problem mit dem Schnurbogen. Bisse sind nur schwer zu erkennen und der Köder driftet gerne mal dort hin, wo er gar nicht hinsoll. Es ist also ein bisschen Technik und Übung gefragt, aber ansonsten ist Wind ein absolut machbares und oft sehr erfolgreiches Angelwetter!

Angelwetter, Tageszeit und Mondkalender

Jeder der oben genannten Faktoren ist immer noch kombinierbar mit der richtigen Tageszeit und dem richtigen Mond.

So beißen die Fische gerade an heißen Tagen besonders gut während der Morgen- oder Abenddämmerung. Zu Vollmond und Neumond stellen viele Angler ebenso eine höhere Chance auf Erfolg fest.

Warum Mond und Zeiten eine Rolle spielen, ist nicht genau erforscht. Natürlich hängt der Mond mit den Gezeiten zusammen, doch auch im Süßwasser, weitab von jedem Gezeitenwechsel, verhalten sich die Fische den Mondphasen entsprechend anders. Dazu erzählen wir mehr in einem kommenden Beitrag, versprochen!

Fakt ist, Tageszeit und Mondphase haben einen Einfluss auf viele Fische. Besonders Aale scheinen um den Vollmond herum besser zu beißen, als sonst. Zander, Karpfen und Hecht beißen besonders gerne nachts und in der Dämmerung. Hier gilt es also, die typischen Verhaltensmuster des Zielfisches zu kennen, auch wenn es vielleicht keine wissenschaftliche Erklärung gibt.

Was ist jetzt das beste Angelwetter?

Im Grunde müssen wir zu dem Ergebnis kommen, dass es kein eindeutiges Ergebnis gibt. Jede Wetterlage hat ihre Vor- und Nachteile und selbst an einem Tag mit perfektem Angelwetter kann man mal leer ausgehen.

Die Wissenschaft kann bisher leider noch nicht so viele Einblicke liefern, wie man sich das als Angler vielleicht wünschen würde, daher ist Vernetzung hier besonders wichtig. Fragt eure Angelkollegen, findet die Muster heraus, nach denen die Fische in eurer Umgebung beißen.

Nutzt dafür auch gerne die Kommentare unter diesem Beitrag!

 

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